ich bin ein kind aus österreich

Zeichnung 20 x 100cm, c-prints, je 30 x 20cm
2005, laufend

Der Dichterstein wurde 1963 im oberösterreichischen Offenhausen von „Glasenbachern“, ehemaligen von den Alliierten inhaftierten Nationalsozialisten, gegründet. Dieses Denkmal mit seinen über vierhundert Namen großteils deutschnationaler Dichter hätte den vermeintlichen Kulturverfall bekämpfen sollen und die nazistische Vergangenheit wieder aufleben lassen. Nach Protesten und Demonstrationen von „autonomen“ Gruppen Anfang der 90er Jahre wurde der Verein Dichterstein aufgelöst und sein Symbol dem Zerfall preisgegeben. Der heutige Privatbesitzer des Grundstücks hat das mehrfach „gezeichnete“ Denkmal (von seinen Gründern graviert, von den „Autonomen“ teilweise zerstört und besprüht) mit Fliesenkleber halbherzig zensuriert. Die Spuren der unterschiedlichsten Ideologien und Ästhetiken, Zeichen der Offenlegung und der Verschleierung treten dadurch auf groteske Weise zum Vorschein. Im „Gedenkjahr“ 2005 wird der Dichterstein für den aus Offenhausen stammenden Künstler zum Synonym für den kontroversen Umgang der Republik Österreich mit ihrer jüngeren Vergangenheit.Vor mehr als zwanzig Jahren musste Reinthaler während einer Angelobung von Bundesheersoldaten das patriotische Gedicht Ich bin ein Kind aus Österreich vortragen; nun rubbelt er jeden einzelnen Buchstaben des Gedichtes von den gravierten Namensschildern des Dichtersteins. Reinthalers Arbeit operiert mit den Steintafeln und ihren historischen Sedimentierungen, die durchs Abbilden gleichsam passiv eine Schablone hervorbringen, und dabei von Österreichs Identitätsbildung erzählen.
Federica Romanini (2006)

 

i am a child from austria
drawing 20cm x 100cm, c-prints, each 30cm x 20cm
2005, continuous

In 1963, the “Dichterstein”(poet’s stone) was founded in Offenhausen (Upper Austria) by former Nazis imprisoned by the Allies in the “Glasenbach camp”.This monument with its over four hundred names of poets linked to German-national culture was supposed to fight the alleged ‘cultural decline’ and was intended to revive the Nazi past. After several protests and demonstrations by “autonomous” groups during the early 90s, the organization linked to the “Dichterstein” was dissolved and its symbol abandoned and left to decay. Today’s private owner of the property “censored” the monument, which is “marked” in manifold ways (by its founders as well as by the “Autonomous” through spraying and partial destruction), halfheartedly with tile adhesive.Thereby, traces of diverse ideologies and aesthetics, signs of disclosure and concealment, come to light in a grotesque way. During the official “Gedenkjahr” (Memorial year) in 2005, for the artists originating from Offenhausen, the “Dichterstein”becomes synonymous with the controversial handling of the Republic of Austria with its recent past. More than twenty years ago, Reinthaler had to recite the patriotic poem ”I am a child from Austria” during a swearing-in ceremony of Austrian army soldiers. Now he rubs each letter of the poem from the engraved nameplates of the “Dichterstein”. Reinthaler’s work operates with the stone tablets and their historical sedimentation,who produce a pattern – quasi passively – by means of display,thereby revealing Austria’s identity.
Federica Romanini (2006)